»Liebe Yella, Seelenschwester!«

Eine performative Spurensuche mit Musik

Freitag 27. Mai | 18.00

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Yella Hertzka © Georg Fayer (1927)

Im Rahmen der Schmida Lectures findet diese performative Spurensuche mit Musik statt.

Yella Herztka (1873 – 1948) war Gründerin der ersten Höheren Gartenbauschule für Mädchen, Mit-Gestalterin der Künstlerkolonie am Kaasgraben und Präsidentin des »Neuen Wiener Frauenklubs« sowie der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit.
Die Performerin und Autorin Margot Hruby setzt sich in Zwiegesprächen mit Hertzkas Leben und entdeckten Gemeinsamkeiten auseinander und stellt Bezüge zur Gegenwart her.
Sie wird von der Pianistin Ursula Schwarz musikalisch begleitet.

Freie Spende.

Yella Herztka
war Gärtnerin, Gründerin der ersten Höheren Gartenbauschule für Mädchen, Initiatorin und Mit-Gestalterin der von Josef Hoffmann geplanten Künstlerkolonie am Kaasgraben, wo sie mit ihrem Ehemann Emil Herztka, Direktor des Wiener Musik Verlages Universal Edition, auch wohnte.  
Sie war Mitbegründerin des »Neuen Wiener Frauenklubs« und dessen Präsidentin, später Ehrenpräsidentin, Verlegerin, nach dem Tod ihres Gatten übernahm sie bis zur Arisierung  die Leitung des Musikverlages.
Im Park ihrer Gartenbauschule veranstaltete sie große Gartenfeste, bei denen international bekannte Musiker und Komponisten wie Mahler, Schönberg, Bartók und Krenek auftraten.
Von 1921 bis zu deren Auflösung im Jahr 1933 war sie Präsidentin der österreichischen Sektion der 1915 gegründeten Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit.
Sie wirkte international vernetzt als Frauenrechtlerin und Friedensarbeiterin, förderte Zusammenkünfte, pflegte Freundschaften und Kontakte.
1938 heiratete die jüdisch stämmige Yella Hertzka ihren aus Prag stammenden Cousin Edgar Taussig, um so die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft zu erlangen, um damit vor den Nazis ins Exil nach London fliehen zu können, wo sie bis 1946 blieb und als Gärtnerin arbeitete.
Nach ihrer Rückkehr wurde sie Anfang 1947 zur öffentlichen Verwalterin des Musikverlags Universal Edition berufen.
Yella Hertzka starb im November 1948 und liegt auf dem Döblinger Friedhof in der Israelitischen Abteilung an der Seite ihres ersten Ehemannes Emil Hertzka.

Die Performance
Wie so viele ist Yella Hertzka zu Unrecht in Vergessenheit geraten, darüber hinaus hat sie anscheinend auch selbst vieles an Material vernichtet, damit es auf ihrer Flucht nicht den Nazis in die Hände fallen kann. 2014 wurde in der Seestadt Aspern, wo die Straßennamen Frauennamen haben, ein 1,6 Hektar großer Stadtpark nach ihr benannt.  

Die Schauspielerin, Autorin und Performerin Margot Hruby hat sich auf Spurensuche begeben und viele Gemeinsamkeiten entdeckt. Formal tritt sie in ein Zwiegespräch mit der Figur, bedient sich der Brief-Form und schlägt damit auch eine Brücke in die Gegenwart.
Sie schaut aus ihrem Badezimmerfenster auf eine Häuserzeile von Yella Hertzkas Freund Josef Hoffmann, der in der Nazizeit nicht emigrieren musste. Gleich gegenüber ist der markante Bau von André Lurçat, der nach Russland und Frankreich emigriert ist.
Margot Hruby schreibt Yella Hertzka einen ganz persönlichen Brief, in dem sie sie fragt, wie es ihr mit Hoffmanns Entwurf fürs Haus der Wehrmacht ging, ob sie darüber geredet haben.
Ein Brief auch, wo sie ihr von den uralten Rosenstöcken im Garten des Loos Hauses erzählt, die sie möglicherweise noch gekannt hat, an dessen Blüten sie vielleicht gerochen hat. Und sie erzählt ihr, dass sie immer noch so duften, dass sie sie lieben würde, und dass sie daraus Rosenwasser herstellt und Tee.
Sie schreibt ihr einen Brief, in dem sie ihr erzählt, wie wir ihre Werke fortgesetzt haben bis hierher, wie wir euphorisch waren oder gescheitert sind.
Oder hundert Jahre später immer noch am selben Punkt stehen.
Auf der Dachterrasse eines Josef Hoffmann-Hauses.
Zwischen denselben Bienen und Rotkehlchen und Rosen.
Und denselben Aufrufen nach Frieden und Freiheit.
Und Frauenrechten.
Und Waffen nieder!

Zu Film und Bildeinspielungen aus der Wiener Werkbundsiedlung und dem Zwiegespräch kommt als parallele Geschichte aus der Zeit die Musik von Bartok bis Krenek, mit einer Prise Eisler. Gespielt und empfunden von der vielseitigen und der Musik aus dieser Zeit zutiefst verbundenen Pianistin Ursula Schwarz.

Wir Frauen laden herzlich zu einem Frühlingsfest für den Frieden und die Freiheit ein, ganz im Sinne Yella Hertzkas.
1922 und 2022 und immer wieder.
You are welcome!


Margot Hruby
1958 in Wien geboren – Schauspieldiplom 1980 – seither als Schauspielerin, Sängerin, Performerin und Autorin aktiv.
Über viele Jahre enge Zusammenarbeit mit Hubsi Kramar beim Theater der Showinisten – später Weard-Theater (heute 3Raum-Anatomietheater), zahlreiche Theater- und Musiktheater-Produktionen und Tourneen im deutschsprachigen Raum.
Theater-Zusammenarbeit mit Hans Gratzer, Dieter Haspel, Alfred Rubatschek, Peter Gruber, Michaela Scheday, Miki Malör, Justus Neumann, Kurt Sobotka, Marianne Sägebrecht, Erwin Steinhauer, Yosi Wanunu, Anna Maria Krassnig, Klaus Pieber, Anselm Lipgens,…
Musikalische Arbeit mit Tschako, Leo Bei, Stefan Bernheimer, Peter Paul Skrepek, Winfried Gruber, Mario Bottazzi, Ursula Schwarz, Rafael Dallinger, Hansi Lang, Peter Schleicher, Thomas Rabitsch, …
Filmarbeit mit Hans Peter Wirth, Käthe Kratz, Florian Flicker, Peter Hajek, Karin Brandauer, Elisabeth Scharang, Michael Satzinger, Claudia Jüptner-Jonstorff, Michael Riebl, …
Eigenproduktionen
»Saumäßig und affengleich« satirisch musikalische Revue mit Ursula Schwarz
»Mama“«Rockshow mit Tschako, Stefan Bernheimer, Leo Bei, Georg Polanski
»Flop on the top« Rock-Opern Spektakel mit Peter Paul Skrepek
»Schnee« Theater Text Elisabeth Wäger Regie Klaus Pieber
»Frohe Weihnacht« Theater Text David Sedaris Regie Anselm Lipgens
»Wer trägt die Spesen?« Brecht-Liederabend am Klavier begleitet von Ursula Schwarz


Urula Schwarz
Klavier, Keyboard, Akkordeon, Komposition.
Abschluss des Musikstudiums 1992 an der Wiener Musikuniversität mit ausgezeichnetem Erfolg und Verleihung des Würdigungspreises des Ministeriums für Wissenschaft und Forschung.
In einer niederösterreichischen  Musikschule tätig. Auf mehreren Tonträgern präsent.
Konzerte im Bereich Klassik, Worldmusic, Jazz, freie Improvisation, Liedbegleitung.
Kabarettmusikerin und -darstellerin, musikalische Mitwirkung bei Lesungen (Stadttheater Dortmund, Volkstheater Wien, Kosmostheater, Rathaus, Parlament, …).
An der Donauuniversität Krems zeitweise Interpretin der Werke von Ernst Krenek.
Derzeit Pianistin des Brechtprogrammes der Schauspielerin Margot Hruby.